Carsten Otte

Schweineöde

Eichborn Verlag, Frankfurt a.M. 2004, 260 S.

„Durchaus überzeugend“, FAZ

Der junge Kuballa aus Bonn zieht direkt nach der Wende in den Ostberliner Arbeiterbezirk Oberschöneweide, im Volksmund treffend Schweineöde genannt. Gelangweilt von den Genüssen des elterlichen Nobelrestaurants begreift er die Ex-DDR als Abenteuerspielplatz. Seine Haltung ist eine Provokation für die Leute in Schweineöde, die mit der Verwahrlosung ihres Kiezes zu kämpfen haben. Kuballa bleibt fast ein Jahrzehnt und leistet seinen Beitrag zur Wiedervereinigung, indem er die ehemalige Thälmannpionierin Jana verführt, seinen Nebenbuhler in den Knast bringt und die lokale Mittelstandsvereinigung zur Lynchjustiz treibt. Die deutsch-deutsche Annäherung wird schließlich zum Horrortrip: Kuballa verfällt einem grotesken Wahn. Er hält sich für den größten Stasispitzel aller Zeiten, überwacht seine Nachbarn, kontrolliert deren Post und macht ihnen, gemäß dem historischen Vorbild, das Leben zur Hölle. Ein literarischer Amoklauf gegen Ostkitsch und gefühlsduselige Wenderomane.

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