Carsten Otte

Alles inklusive

in: Edit, Papier für neue Texte, Nr. 46, Sommer 2008

Die Busfahrt vom Flughafen zum Hotel hatten wir gerade überstanden, als mir ein braungebrannter Typ im weißen, bis zum Bauchnabel aufgeknöpften Hemd die Hand reichte. »Hallöchen«, sagte er, und ich versuchte mit einem wahrscheinlich etwas angestrengt wirkenden Lächeln zu überspielen, wie überrascht ich war, daß mich jemand auf Tropical Island im rheinischen Singsang begrüßte. Als ich genau hinhörte, fiel mir auf, wie unnatürlich der Klang seiner Stimme war. Als habe man ihm aufgetragen, ein Programm abzuspulen. »Ich bin …«, setzte er wieder an, um wahrscheinlich zu erklären, wie er heiße, aber er wandte sich dann doch den Mitreisenden zu, die wie ich vor dem Hotel Paradise Village abgesetzt worden waren. »Wie war der Flug? Alle gut angekommen? Ja? Gut, gut. Wie war das Essen im Flugzeug? Ja, auch gut? Das freut mich. Ach, bevor ich´s vergesse: Ich bin euer persönlicher En Dschi! Das ist ne Abkürzung, also NG steht für Nice Guy, englisch ist doch klar.«

Anna lächelte mich an, und dieses Lächeln glich einer Entschuldigung. Ich nickte und gab ihr zu verstehen, daß ich, obwohl ich gegen diesen Urlaub war, nicht rummeckern wollte. Unser persönlicher En Dschi meldete sich wieder zu Wort. »Ihr habt euch für all inclusive entschieden, und das heißt auf gut Deutsch: alles ist inklusive. Aber das wißt ihr natürlich. Ihr habt den Urlaub schließlich gebucht. Ich verspreche euch super Ferien, die besten Tage im Jahr und keine böse Überraschungen. Das habt ihr euch verdient.«

Wenn ich irgendwas verdient habe, dann Ruhe, dachte ich, was den En Dschi aber nicht davon abhielt weiterzureden. Ich wäre gerne zur Rezeption gegangen, um endlich einzuchecken und aufs Zimmer gehen zu können, aber Anna hielt mich zurück. Wahrscheinlich wäre ich ohnehin nicht weit gekommen, denn der En Dschi versperrte demonstrativ den Hoteleingang; er verlangte Aufmerkamkeit, als habe er etwas Wichtiges mitzuteilen. »Ich will euch nicht schon am ersten Tag zuquatschen, aber mein Chef hat gesagt, ich soll euch unbedingt darauf hinweisen, daß unser Feriendorf im landestypischen Stil erbaut ist. Ich meine, daß unser Feriendorf sogar noch schöner ist als die Dörfer der Leute, die unser Paradise Village gebaut haben. Wie gesagt: Keine bösen Überschaschungen.«

»Die wirklich böse Überraschung ist, daß dieser Kerl keine Überraschung ist«, flüsterte ich Anna ins Ohr, die mich ansah, als hätte ich gerade mein Versprechen gebrochen, nicht zu meckern. Eine hochgewachsene Frau mit dunkelbraunen langen Haaren sagte ihrem Begleiter: »Für wie blöd hält der uns?« Nun begannen auch andere zu tuscheln, was unser En Dschi zum Anlaß nahm, seine Ansprache mit einem Megaphon fortzusetzen. »Ihr bekommt nun euren Schlüssel zum Paradies. Für jeden ein rotes Armband! Grün ist Übernachtungfrühstück, gelb ist Halbpension … aber ihr … habt rot, alles inklusive. Essen, trinken, trinken, essen, essen, trinken. So viel ihr wollt. So viel wie reingeht. Ihr kennt euch aus, nicht wahr? Ihr seid Profis. Die Armbänder werden während des Urlaubs nicht abgenommen, das ist die Regel. Ihr wißt Bescheid. Mit den roten Bändern seid ihr unsere Supergäste, da bekommt ihr fast alles, ich meine, keinen Champagner, aber wer will den schon, hier auf Tropical Island? Und was wollt ihr? Keine bösen Überraschungen, natürlich, natürlich. Bevor ich´s vergesse, um sieben wird das Buffet eröffnet, wir sehen uns meine Lieben!«

Nach 13 Flugstunden, 40 Minuten Transfer im klimatisierten Bus und einer viertel Stunde Gelaber lagen Anna und ich erschöpft auf unserem Bett. Die Zimmer waren exakt so eingerichtet, wie es die 3-D-Animation im Internet gezeigt hatte. Auch in dieser Hinsicht bot das Hotel keine Überraschungen. Die Klimaanlage war wie versprochen sehr leise, im blau gefliesten Bad gab es neben der üblichen Toilette sowohl ein Bidet als auch ein Pissoir. Auf dem Nachttischchen stand ein Bildtelefon. Auf Knopfdruck kam aus der Wand wahlweise ein Minikühlschrank, ein Fernsehgerät oder ein CD-Player gefahren. Im geräumigen Schrank war ein Safe versteckt. Zur Steigerung des subjektiven Sicherheitsgefühls, wie es im Prospekt geheißen hatte.

Anna hatte Wert darauf gelegt, ein Zimmer mit Meerblick zu bekommen. So nah wie möglich am Wasser, das war ihr wichtig, um das Rauschen zu hören, um auch in der Nacht die salzige Luft der See in der Nase zu haben. Als wir schweigend auf dem Bett lagen, erinnerte ich mich daran, daß Anna, während wir uns das Hotel Paradise Village im Netz anschauten, gesagt hatte, auch mir täte mal eine Luftveränderung gut.

»Was machst du da?« fragte sie, als ich frische Meerluft zu erschnüffeln versuchte, aber nur einen wohlbekannten Essensgeruch entdeckte.

»Das ist Sauerbraten!« rief ich.

»Du spinnst«, entgegnete Anna. Ich reichte ihr ein Faltblatt, das die Speisen des angekündigten Buffets beschrieb. »Keine Überraschungen, meine Liebe, heute gibt es rheinischen Sauerbraten. Warum sind wir nicht in Köln geblieben?«

Anna ging auf meine Frage nicht ein, stand auf und schlug vor, die Hotelanlage zu besichtigen. Seitdem wir hier waren, hatten sich ihre Gesichtszüge verändert. Statt sich zu entspannen, wirbelte sie herum. Als ginge es in diesem Urlaub darum, irgendetwas zu erreichen. Ich überlegte, ob ich sie darauf ansprechen sollte, daß mich ihre Hektik ärgerte, hielt mich aber zurück. »Vielleicht entdecken wir auf dem Rundgang«, sagte sie, »dann doch etwas, das dir gefallen könnte.«

»Oooch, ich mag den Laden«, erwiderte ich grinsend.

Die Hütten des Paradise Village standen in einem Garten, der sonderbar künstlich aussah. Überall blühte es, tropisch anmutende Vögel sangen in dezenter Lautstärke. Wir folgten den Hinweisschildern zum Meer, und ich wunderte mich, daß wir auf dem Weg dorthin viele Hotelgäste trafen, die sich erschreckend ähnlich sahen. Braun gebrannt wie unser En Dschi waren sie und lächelten auch wie er. Waren das auch alle rheinische Frohnaturen? Ihre uniforme Sommerbekleidung sah aus, als sei sie vom Hotel zur Verfügung gestellt worden. Die Männer trugen beigefarbene Shorts und weiße Kurzarm-Hemden. Die Frauen waren in dünne Tücher gehüllt, die mit Blumenmotiven bedruckt waren.

Auch das Meer beunruhigte mich. In allzu gleichmäßigen Wellen glitt das Wasser über den feinsandigen Strand. »Schön, oder?« sagte Anna. Schweigend schlenderten wir eine Weile an der Küste entlang. Wie auf Bestellung begann es zu dämmern und die Sonne bot in ihrem Untergang ein farbenfrohes Schauspiel. Wir kehrten zum Hotel zurück, gingen vorbei an zwei Tennisplätzen, einem Swimming-Pool in Herzform, diversen Bars, Snackpoints und einer Disco, aus der schon Musik zu hören war. Musik, die keinem Land und keiner Stilrichtung zuzuordnen war, die irgendwie schwungvoll klang. Melodie und Rhythmus kamen mir bekannt und zugleich sehr fremd vor.

Unser En Dschi tauchte wieder auf, als habe er genau diesen Moment abgepaßt, in dem wir etwas ziellos umherschweiften. Er reichte uns den Wochenplan mit den Aktivitäten des Paradise-Clubs. Seidenmalerei, Töpfern und Kerzengießen. Eine Unterwasserexkursion wurde beworben mit dem Satz: Tauchen Sie ein in eine faszinierende Welt, die nur einen Flossenschlag von den Palmen unseres Privatstrandes entfernt liegt. Viel Sport war im Angebot. Indoorcycling, Bodypower und sogenannte Mind-Specials.

»Gibt es auch Anwesenheitskontrollen bei den Kursen?« fragte ich. Der En Dschi entgegnete freundlich: »Urlaub bedeutet für uns Freiheit. Es besteht selbstverständlich kein Mitmachzwang.«

»Gut zu wissen«, erwiderte ich. »Mein Sportgerät wird in den nächsten Tagen die Hängematte sein.« Anna zog mich in Richtung Restaurant, obwohl ich den En Dschi eigentlich noch fragen wollte, wo er diese originelle Parole aufgeschnappt habe. Urlaub bedeutet Freiheit? Am Eingang des Restaurants kontrollierte ein Kellner unsere Armbänder. Mir fiel sofort auf, daß es im Speisesaal ausschließlich kreisrunde Tische mit sechs Stühlen gab. Traute Zweisamkeit war beim Abendessen also nicht vorgesehen. An der Salatbar traf ich die Dame, die sich kurz nach unserer Ankunft im Hotel über den En Dschi mokiert hatte. Sie schien bemerkt zu haben, daß Anna und ich noch auf der Suche nach zwei Sitzplätzen waren. Sie hieß Sarah, ihr Mann Martin. Die beiden stellten uns noch einem weiteren Pärchen vor, Doro und Lars, die ebenfalls an dem Tisch Platz genommen hatten. Unsere Sechserrunde war nun komplett.

Martin und Sarah hatten sich mit Dinnerjacket und Etuikleid feingemacht. Doro und Lars, die wohl auch in unserem Alter, also Mitte vierzig waren, traten eher berufsjugendlich auf. Er mit Wüstenwanderhose und zerfetztem T-Shirt, sie mit Jeansrock und Gruseltätowierung am rechten Oberarm. Dagegen sahen Anna und ich wahrscheinlich eher wie zwei Normalos aus – wenn es es diesen Typ überhaupt noch gab. Ich fragte mich, ob es Zufall war, daß nun ausgerechnet wir an einem Tisch saßen. Anna beschwerte sich oft über meinen Neigung, überall eine Verschwörung zu wittern, aber im Grunde hatte ich bloß etwas mehr Phantasie als sie. Aber was hieße das in diesem Fall? Was, wenn unsere nette Sechserrunde das Ergebnis eines ausgetüftelten Plans war? Wer waren die Leute, die uns zusammengeführt hatten? Und warum? Welches Spiel wurde hier gespielt?

Sarah schien das Bedürfnis zu haben, erst mal zu erklären, warum sie und Martin sich für all inclusive entschieden hatten. Sarah begründete die Wahl mit ihrem Arbeitsleben. Sie sei Fernsehproduzentin, ein verflucht anstrengender Job, sie müsse ständig tausend Dinge gleichzeitig organisieren, und so habe sie keinen Bock, sich auch noch im Urlaub um irgendwas zu kümmern. »Ruhe und Rundumversorgung. Deshalb sind wir hier. Stimmt´s oder habe ich recht?« Martin nickte und schwieg. Lars hingegen, der sich als Heizungsmonteur vorstellte, obwohl auch ihn keiner nach seinem Beruf gefragt hatte, sprach von der Energiekrise und von Erdwärme, um dann beiläufig zu erwähnen, daß er sich schon seit Monaten darauf gefreut habe, mit Doro einen Aktivurlaub zu verbringen. Ich verkniff mir die Frage, was genau er darunter verstehe, doch meine Zurückhaltung bereute ich gleich wieder, denn nun wurde ich nach meinen Urlaubsvorstellungen befragt. »Anna hat sich das Paradise Village gewünscht«, antwortete ich. Während Martin, Doro und Lars offenbar erwarteten, daß Anna jetzt etwas sagte, lächelte Sarah mir zu. Anna konterte: »Ich habe mir gedacht, ein echtes Naturparadies könnte Frank mal auf andere Gedanken bringen.« Ich gab den Ahnungslosen, was die Neugier noch zu verstärken schien. »Was machst du beruflich?« wollte Sarah nun wissen, und obwohl ich diese Frage haßte, kam ich um eine Antwort nicht herum. »Computerspiele«, sagte ich. »Ich erfinde Computerspiele.«

»Abgefahren«, sagte Lars, und es sah so aus, als wollten alle am Tisch mehr erfahren. Gegen Mitternacht glaubte ich, alles sei zu dem Thema gesagt. Ich betrachtete die leere Rotweinflasche, und als ich die Runde darauf hinweisen wollte, daß der Wein laut Etikett auf Tropical Island angebaut worden war, fuhr Sarah dazwischen: »Treffen wir uns zum Frühstück?«

»Wann denn?« Anna sagte, sie wolle unbedingt ausschlafen.

»Ich stehe auch im Urlaub früh auf, alles eine Frage der Gewohnheit. Dann sehen wir uns später am Strand«, beschied Sarah, und wir erhoben uns von der Tafel.


Mit ausgetrockneter Kehle und einem Brummschädel wachte ich auf. Ich hatte offenbar zuviel Rotwein getrunken. Ich ging auf den Balkon, aber da es draußen noch dunkel war, ging ich wieder ins Bett. Anna machte sich bemerkbar. »Wieviel Uhr ist es denn?« Draußen sei es noch dunkel, erwiderte ich, und kurz darauf hörte ich wieder Annas sanftes Schnarchen. Irgendwann waren wir dann doch ausgeschlafen. Ich zog die Gardinen zur Seite. Es war immer noch dunkel. »Ich glaube wir leiden unter einem Jetlag. Kannst du mal auf die Uhr schauen?« Anna sagte, es sei elf. Ich schaute zum Himmel. Keine Sonne, keine Sterne, kein Mond. »Vielleicht ist der Smog auf Tropical Island noch viel schlimmer als in Shanghai.« Anna sprang aus dem Bett. »Das sieht nicht nach Smog aus! Ich kann das Meer riechen. Verdammt noch mal, wo ist die Sonne?«

»Vielleicht gehört die Finsternis zum Unterhaltungsprogramm des Hotels. Kann doch sein, daß wir das Paradise Village völlig unterschätzt haben. Keine Überraschungen, von wegen!«

»Das ist nicht witzig, Frank.«

»Ist nicht dein Humor, Anna. Laß uns doch mal runtergehen und fragen, was unsere neuen Freunde dazu sagen.« So schnell war sie noch nie angezogen. Im Frühstücksraum saß allerdings niemand mehr, zwei Kellner räumten dreckiges Geschirr ab. Die Leute hatten sich am Hotelpool versammelt. Sie schauten skeptisch in den dunklen Himmel. Eine Frau sagte, auch auf Tropical Island könne man sich nicht auf den Wetterbericht verlassen. Ein Mann beschwerte sich, Urlaub ohne Sonne sei Betrug. Er habe all inclusive gebucht. Das Paradise Village mit Sonnengarantie. Kinder weinten.

Wo war ich?

Der En Dschi trat aus der Menge hervor . Es kam mir vor, als könne nur ich ihn sehen. »Level six«, sagte er. Der En Dschi drehte sich einmal um die eigene Achse und teilte den verstörten Gästen mit, die Dunkelheit sei nicht ungewöhnlich auf Tropical Island. Das Paradise Village habe sich selbstverständlich darauf eingestellt. »Wie wär´s mit Tennis? Wir haben Flutlicht.«

Als Lars und Doro sich meldeten, warf mir der En Dschi einen kurzen Blick zu. Ich hörte ihn sagen: »Zweihundert Punkte. Vielleicht auch etwas mehr. Sehen wir mal, wie lange die beiden Tennis spielen.«

Zweihundert Punkte? Ich schaute zu Anna, die neben mir stand, aber offenbar nichts mitbekommen hatte. »Und was sollen wir machen?« fragte sie genervt. Der En Dschi war sofort mit einem Vorschlag zur Stelle. »Wir haben eine große Videothek. Habt Ihr Lust auf einen Film?« Anna schüttelte den Kopf. Ich lachte. Der En Dschi mußte sich bei ihr schon etwas mehr einfallen lassen.

Sarah kam hinzu und informierte uns, daß daheim die Sonne schien. »Ich habe keine Lust auf Streß, aber vielleicht sollten wir uns mal erkundigen, ob es auf Tropical Island vielleicht eine Gegend gibt, die von der Dauerdunkelheit verschont ist. Ihr kennt das doch, jede Insel hat eine Schlechtwetterseite und eine Gutwetterseite, und ich glaube, wir sind auf der miesen Seite gelandet. Ich ruf mal beim Reiseveranstalter an.« Sie wählte eine Nummer und verzog ihr Gesicht. »Warteschleife«, sagte sie nach einer Weile.

»Wie wär´s mit einem Glas Champagner?« michte sich der En Dschi ein.

»Nur ein Glas?« entgegnete Sarah.

Der En Dschi ließ eine Flasche Dom Pérignon servieren, Jahrgang 1985. Sarah war beeindruckt. Martin sowieso. Die Gefahr, daß sie ihrem Mann auftrug, die Koffer zu packen, war vorerst gebannt. Und wieder die Stimme des Rheinländers, der mir zunehmend sympatischer wurde: »Dom Pérignon, tausend Minuspunkte. Sarah und Martin mindestens eine Stunde beschäftigt. Vierhundert Pluspunkte.« Etwas leiser fügte er hinzu: »Wie gefällt Ihnen unser neues Spiel?« Ich antwortete: »Nicht schlecht, aber es gibt noch zwei, drei Dinge, die ich ändern würde. Vielleicht sollte ich Ihre Stimme umprogrammieren. Was würden Sie davon halten?« Der En Dschi lachte und verzog sich.

Wir tranken den Champagner; die Flasche war schnell geleert. Sarah bestellte noch eine. »Geht heute alles aufs Haus, oder etwa nicht?« sagte sie leicht angetrunken. Während wir an der Bar saßen, beobachtete ich, wie unser En Dschi von von Hütte zu Hütte ging, vom Fitnessstudio mit Neonlicht schwärmte und die Kosmetikbehandlungen bei Kerzenschein empfahl. Noch war niemand abgereist. Das mußte einen Bonus geben. So war es auch. Der Champagner fiel nicht mehr ins Gewicht. Der En Dschi meldete 7940 Punkte. Das war Rekord. Und das bedeutete: Level seven.

Auch am nächsten Morgen ging die Sonne nicht auf. Außerdem gab es keinen Strom mehr. Der En Dschi grinste zwar noch, wirkte aber erschöpft. Ich machte ein paar Vorschläge und half ihm, sie auch umzusetzen. Durchaus mit Erfolg, was mich sehr freute. Beim Fackelspaziergang am Strand nahmen weit mehr als hundert Leute teil. Wahrscheinlich lag es am Meer, das im Gegensatz zu Sonne und Strom noch nicht ausgefallen war und weiterhin schön rauschte. Warum fanden nicht auch die Gymnastikkurse am Meer statt? Kaum hatte ich mir diese Frage gestellt, ging der En Dschi durch die Hotelanlage und brüllte in sein Megaphon: »Die Strandgymnastik beginnt, die Strandgymnastik beginnt!« Jetzt öffneten sich auch die Türen der Ferienappartements, die bislang verschlossen geblieben waren. Die Strandgymnastik entwickelte sich zur Massenveranstaltung. Die Leute beugten und streckten sich, als stiege mit jeder absolvierten Übung die Chance, daß die Sonne wieder aufgehe.

Am dritten Tag ohne Sonne verabschiedeten sich Sarah und Martin. »Es ist uns einfach zu stressig im Paradise Village«, begründete Sarah den hastigen Aufbruch. Martin nickte. Der En Dschi schenkte den beiden zum Abschied eine große Tube Selbstbräuner. »Alles inklusive«, sagte er. Sarah zögerte, dann nahm sie das Geschenk an. »Man will ja daheim nicht ausgelacht werden.«

Zwei Gäste reisten ab, aber sie würden Tropical Island nicht in Verruf bringen. Auch das war geschafft.

Level eight.

»Wollen Sie weiterspielen?« fragte der En Dschi, als Anna in mein Büro kam.

»Sag mal, du hast ja immer noch nicht deine Sachen gepackt. Morgen früh geht die Reise los. Willst du lieber zu Hause bleiben und vor dem Computer hocken?«

»Nein, nein, ich freue mich auf unseren Cluburlaub. Alles inklusive, bin wirklich gespannt, was uns erwartet!«